Für wen ist Reitgeist gedacht?
Für Frauen mit viel Verantwortung, die gewohnt sind, alles zusammenzuhalten. Nach außen klappt das auch. Innerlich ist aber dauernd Druck – und irgendwann meldet sich der Körper oder das Pferd.
Wobei helft ihr konkret – was ändert sich im Alltag?
Wir nehmen Druck raus. Im Kopf, im Körper, im ganzen System. Der Alltag fühlt sich wieder händelbar an. Weniger Daueranspannung, klarere Entscheidungen, mehr Luft – oft auch spürbar beim Pferd, gesundheitlich, im Verhalten oder beim Reiten.
Muss ich ein Pferd haben, um mit euch zu arbeiten?
Nein. Ein Pferd kann Teil des Systems sein, muss es aber nicht. Wenn du eins hast, beziehen wir es je nach Thema mit ein.
Kann ich auch nur mit Jobthemen zu euch kommen?
Dann arbeiten wir genau da: an Druck, Verantwortung, Grenzen und dem, was dich im Job ausbremst oder nervt. Ziel ist, dass du wieder mehr steuerst und gut für dich sorgen kannst, statt nur durchzuziehen und irgendwie zu funktionieren.
Was meint ihr mit „Muster“ – und woran merke ich das bei mir?
Wenn sich Dinge wiederholen. Neuer Job, gleiches Gefühl. Neues Pferd, alte Themen. Symptome wechseln, aber der Stress bleibt. Dann läuft im Hintergrund immer dieselbe Schleife.
Warum lösen sich Probleme nicht, obwohl ich schon so viel ausprobiert habe?
Weil vieles nur an der Oberfläche ansetzt. Solange die Ursache im System bleibt, sucht sie sich immer wieder einen neuen Weg, sich zu zeigen.
Warum reicht es nicht aus, nur am Symptom zu arbeiten?
Weil Symptome keine Fehler sind, sondern Hinweise. Drückt man sie weg, bleibt der Druck – und taucht später woanders wieder auf. Physiologisch ist das logisch: Was du unterdrückst, drückt der Körper aus. Und machmal übernimmt das dein Umfeld oder dein Pferd.
Wie entsteht innerer Druck – und warum ist er kein persönliches Versagen?
Innerer Druck entsteht, wenn man lange funktioniert, viel Verantwortung trägt und selten wirklich runterfährt. Das hat nichts mit Schwäche zu tun. Das ist schlicht Überlastung.
Warum tauchen ähnliche Themen immer wieder auf – im Job, im Körper oder beim Pferd?
Weil das System gelernt hat, so zu reagieren. Umfeld wechseln reicht dann nicht. Ohne Veränderung im Inneren läuft das Programm weiter.
Was bedeutet Mensch-Pferd-System konkret?
Wenn du ein Pferd hast, steht es nicht neben dir, sondern mitten im Geschehen. Spannung, Druck und innere Unruhe bleiben nicht nur bei dir. Sie zeigen sich auch bei deinem Pferd – gesundheitlich, im Verhalten, in der Bewegung, im Miteinander. Studien zur Herzratenvariabilität zeigen: Mensch und Pferd koppeln sich körperlich. Stress, Anspannung oder Ruhe können sich messbar übertragen. Dein Pferd ist also nicht nur ein „Spiegel“, sondern Teil eines gemeinsamen Systems.
Worin unterscheidet sich eure Arbeit von Coaching, Therapie oder Training?
Wir arbeiten nicht nach Schema F. Kein neues Tool, kein „Reiß dich zusammen“. Wir sehen Zusammenhänge, die oft übersehen werden – und setzen da an, wo mehr Disziplin und klassisches Coaching oder Training nicht weiterhelfen.
Welche Rolle spielen Körper, Nervensystem und Wahrnehmung dabei?
Eine große. Eine große. Viele Themen lassen sich nicht wegdenken oder wegreden. Rund 88 % von dem, was wir täglich tun, läuft unterbewusst. Erst wenn dein System aufhört, gegen Symptome anzukämpfen, und runterfährt, kann sich wirklich etwas verändern.
Können Symptome wechseln und trotzdem zum selben Muster gehören?
Ja. Heute Rücken, morgen Erschöpfung, übermorgen etwas anderes. Stell dir das wie einen Kissenbezug vor: Der Bezug wechselt, das Kissen bleibt gleich.
Was verändert sich, wenn man das Muster hinter den Symptomen erkennt?
Dein System muss nicht mehr kämpfen, um gehört zu werden. Dinge werden ruhiger, klarer, leichter. Nicht auf Knopfdruck – aber nachhaltig.
Welche Rolle spielt die Pferdetherapie bei eurer Arbeit?
Die Pferdetherapie ist kein Zusatzprogramm. Sie gehört bei uns ganz selbstverständlich dazu. Wenn ein Pferd Symptome zeigt, behandeln wir nicht nur die Stelle, die gerade auffällt. Wir schauen das ganze Pferd an – Körper, Bewegung, Haltung, Umfeld und das Zusammenspiel mit dem Menschen.
Kann ich auch nur wegen meines Pferdes zu euch kommen?
Ja. Das ist möglich. Wir starten in dem Fall mit dem Pferd und schauen fachlich, was sich zeigt. Ob und wie das größere Mensch-Pferd-System eine Rolle spielt, entscheidet sich erst im Verlauf – und immer nur, wenn es für das Pferd wirklich relevant ist – und für dich passt.
Was ist bei euch anders am Pferdetraining?
Bei uns gibts kein Durchsetzen, kein Drüberwegreiten. Beim Training geht es darum, Spannung rauszunehmen und sich wieder zu verstehen. Nicht darum, Probleme zu kaschieren. Ziel ist, dass Hilfen „leiser“ werden – und es für Pferd und Reiterin immer leichter und sicherer wird. Reiten soll beiden wieder Spaß machen.














